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Quecksilber als Übergangsmetall?

   
Verbindungen mit Quecksilber in der Oxidationsstufe +IV erfordern die Beteiligung der d-(Valenz)-Elektronen an der chemischen Bindung und wären demnach als Übergangsmetallverbindungen anzusehen. Isolierbare, stabile HgIV-Verbindungen sind aber noch nicht bekannt. Quantenchemische Rechnungen zu HgX4 und HgF2X2 mit elektronegativen Liganden X, die bei Eletronenaufnahme schwach koordinierende Anionen wie Al2F7-, SbF6-, Sb2F11-, OTeF5- oder AsF6- bilden, weisen nun einen aussichtsreichen Weg für die Synthese von HgIV-Verbindungen. Nach den Rechnungen gibt es zwar für alle untersuchten Moleküle exotherme Zerfallsreaktionen, aber Verbindungen wie Hg(OTEF5)4 und Hg(AsF6)4 könnten eine für präparative Zwecke ausreichend hohe Aktivierungsbarriere für den Zerfall aufweisen. Die Aussichten auf Erfolg stehen dabei nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass stabile Edelgasverbindungen wie Xe(OTeF5)4 und Xe(OTeF5)2 den Rechnungen zufolge energetisch ähnlich exotherme Zerfallsreaktionen aufweisen wie die Hg(OTeF5)4 und Hg(AsF6)4. Jetzt sind die Synthesechemiker gefordert.
 

Gernot Frenking, Chemie Notizen, Nachrichten aus der Chemie, 53, Juni 2005, 617